Namhafte Wissenschaftler, Politiker, Unternehmer und zivilgesellschaftliche Akteure diskutierten am 22. und 23. November 2006 in Bollewick mit ca. 120 Teilnehmern zentrale Themen nachhaltiger Entwicklung sowie die Herausforderungen und Chancen eines vorausschauenden Umgangs mit den zentralen Herausforderungen des globalen und demografischen Wandels für Mecklenburg-Vorpommerns.
In den drei thematischen Arbeitsgruppen "Wege aus der demografischen Krise", "Unterstützung regionaler Kooperationen zur Mobilisierung Finanzressourcen" und "Wahrnehmung kommunaler Aufgaben in gemeinsamer Verantwortung" wurden die Perspektiven des Landes, der Umfang der Herausforderungen und die Handlungsspielräume sowie einige Möglichkeiten der Steuerung und denkbare Lösungsstrategien erörtert. Dass die Vielzahl von Strukturproblemen im Land oftmals die Wahrnehmung vorhandener Potentiale und Chancen verstellt und es keineswegs an guten Ideen und tragfähigen Initiativen mangelt, wurde genauso deutlich, wie die Tatsache, dass die Bewältigung künftiger Ressourcenknappheit und demografischen Wandels für Mecklenburg-Vorpommern die Chance eröffnet, durch den vorausschauenden Umgang mit diesen Herausforderungen technologische, organisatorische und soziale Innovationen voranzutreiben und zugleich Wertschöpfung und Beschäftigung neu zu organisieren.
Materialien
Programm / Kongressflyer (
1237 KB)
Vorträge / Präsentationen
Bilder - SINE II 2006


Seit 1989 hat sich die Bevölkerung Mecklenburg-Vorpommerns um mehr als ein Zehntel verringert. Im Jahr 2020 wird die Bevölkerungszahl voraussichtlich noch einmal um rd. 200.000 niedriger liegen als heute. Der Schwund bei den jungen, gut ausgebildeten Frauen ist besonders hoch. Die Bevölkerungsstruktur wird sich also erheblich ändern: Die Gesellschaft wird im Schnitt älter, kleiner, männlicher und nicht unbedingt "klüger", wenn sich die Entwicklung so fortsetzt. Dabei prägen sich innerhalb des Landes einige regionale Unterschiede aus.
Einzugsbereiche für die verschiedenen öffentlichen Einrichtungen, für Infrastrukturen, für Produktmärkte u. a. dünnen aus, womit deren Erhaltung zunehmend in Frage gestellt wird. Wo liegt evtl. auch das Positive des unvermeidbaren Rückgangs? Und wie sehen die Herausforderungen genau aus, die vor uns liegen?
Mehrere Ansatzpunkte lassen sich identifizieren: Die Eindämmung der Abwanderung aus Mecklenburg-Vorpommern sowie die Förderung der Rückwanderung. Ebenso ist zu fragen, inwieweit eine realistische Möglichkeit besteht, eine nennenswerte Einwanderung aus verschiedenen Regionen der Welt zu erreichen. Wie groß ist die Bereitschaft bei der ansässigen Bevölkerung, solche "Neuen" aufzunehmen? Was muss für eine zufriedenstellende Integration von Zuwanderern getan werden?
Ein weiterer Ansatzpunkt sind die Lebens- und Arbeitsbedingungen von jungen Menschen. Welche Hindernisse müssen in Mecklenburg-Vorpommern konkret abgebaut werden, damit sich diese häufiger für Kinder entscheiden? Es geht dabei allerdings um weit mehr als um Krippenplätze!
Um Standorte und ganze Regionen zu unterstützen und zu sichern, ist es nach Auffassung der ANE notwendig, mehr Geld für eine breite Palette von Unternehmungen leichter verfügbar zu machen: für zukunftsfähige gemeinnützige ebenso wie für privatwirtschaftliche Projekte (sowohl von Marktführern in der Hochtechnologie wie von Existenzgründern "aus Not"). Diese sehr unterschiedlichen Typen von Unternehmungen haben mit verschiedenen Engpässen und Schwierigkeiten bei ihrer Finanzierung zu kämpfen. Es ging zunächst darum, einen Überblick über die verschiedenen Finanzierungsformen zu bekommen: öffentliche Förderung, Unterstützung durch Risikokapital, Sponsoring, Bürgschaftsdarlehen, Mikrokredite, Leih- und Schenkgemeinschaften, Bürger- und Regionalfonds sowie Stiftungen und weitere, teilweise weniger bekannte und weniger genutzte Formen der Geldbeschaffung. Welche Finanzierungsformen sind für welche Unternehmungen geeignet? Wo liegen noch Engpässe? Ein wichtiger Schritt, die Mobilisierung dringend nötiger finanzieller Mittel zu erleichtern, besteht darin, die Zusammenarbeit der regionalen Akteure im Regionalmanagement auszubauen. Wie kann das geschehen?
In vielen Kommunen, nicht nur Mecklenburg-Vorpommerns, ist die Haushaltssituation desolat. Die meisten Aufgaben können bei alleiniger kommunaler Verantwortung "nur auf Sparflamme" abgearbeitet werden. Besteht in der gemeinschaftlichen Bewältigung von Aufgaben durch Kommunen und private Akteure ein echter Steuerungsimpuls für eine nachhaltige Entwicklung? Liegt mit partnerschaftlichen Kooperationen, die zwischen Kommunen und privaten Akteuren geschlossen werden (public-private partnerships, PPP), ein guter Lösungsansatz vor? Was bedeutet "partnerschaftlich" im Konkreten? Immer wieder werden auch extreme Beispiele von Privatisierung und deren Risiken für die Daseinsvorsorge diskutiert.
Wo liegen die Vor- und Nachteile, wo die Chancen und Risiken für die Beteiligten? Bloßes "Rosinenpicken" durch die Privaten, so dass andere, weniger lukrative Aufgaben völlig auf der Strecke bleiben, ist unbedingt zu vermeiden. Andererseits sollte eine effektive Aufgabenbewältigung nicht durch bürokratische Regelungsdickichte und sog. "Beamtenmentalität" ausgebremst werden. Welche Anforderungen sind daher an die Partner zu stellen und welche Verantwortung tragen sie? Wie können diese Anforderungen durch Aus- und Weiterbildung erfüllt werden? Aus verschiedenen Perspektiven wurden Antworten gegeben.
Die ANE M-V möchte sich bei allen Akteuren des SINE 2-Kongresses 2006 bedanken.
Herrn Dr. Holger Kreft, Büro für Zukunftsfähige Regionalentwicklung / bzr Hattingen, der die inhaltliche Koordinierung übernahm, gilt unser besonderer Dank.
Materialien:
Programm / Kongressflyer (
1237 KB)
Vorträge / Präsentationen