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Bioenergiedörfer in Mecklenburg-Vorpommern.
Chancen für den ländlichen Raum durch Wertschöpfung und Teilhabe.

Veranstaltungen 2009


 

Bioenergiedörfer in Mecklenburg-Vorpommern.
Chancen für den ländlichen Raum durch Wertschöpfung und Teilhabe.

Exkursion nach Güssing (Österreich), 08.-10. Oktober 2009.
Ein Rückblick.

Interessante, inspirierende, aber auch fordernde Tage liegen hinter den 77 Teilnehmer, die sich vom 08.-10. Oktober 2009 auf eine Exkursion nach Güssing (Österreich) begaben. Bürgermeister, Gemeindevertreter, Landwirte, Planer, Bildungs- und Ausbildungsakteure, Wissenschaftler und Vertreter der Landespolitik hatten die Mühe auf sich genommen, innerhalb von 3 Tagen mehr als 3000 Kilometer mit 2 Bussen zurückzulegen, um mit eigenen Augen den Werdegang, die Erfolge und die Botschaften der Energiestadt Güssing zu sehen. Begleitet wurde die Exkursion von einem Filmteam. Der hierbei entstandene Dokumentarfilm wird allen Interessenten Mitte Dezember 2009 kostenfrei zur Verfügung gestellt bzw. über den youtube-Kanal der Akademie für Nachhaltige Entwicklung Mecklenburg-Vorpommern abrufbar sein.

Warum Güssing?
Jahrzehntelang in der östlichsten Peripherie Österreichs gelegen und bis in die 1990er Jahre ärmste Region des Landes, ohne eigenen Bahn- und Autobahnanschluss stand Güssing mit dem Fall des Eisernen Vorhangs vor einer ungewissen Zukunft: Die Abwanderung junger, hochqualifizierter Menschen sowie das Fehlen von Gewerbe und Industriebetrieben bestimmten die damalige Zeit, der Wettbewerb um niedrige Produktionskosten als Standortsvorteil bot mit dem nun offenen Zugang zu osteuropäischen Produktionsstätten und Märkten kaum mehr Perspektiven.
Den Ausweg sollte 1990 ein ambitionierter Gemeinderatsbeschluss eröffnen: Der 100%ige Ausstieg aus der fossilen Energieversorgung. Wie das? Mit Blick auf die jährlich aus der Stadt und Region abfließenden Gelder für die Bereitstellung von Wärme, Strom und Treibstoff aus fossilen Energieträgern sollten mit der energetischen Nutzung regionaler Ressourcen regionale Stoffkreisläufe gestärkt und regionale Wertschöpfung etabliert werden. Durch den Ausbau der Nutzung und Produktion Erneuerbarer Energien konnten deshalb nicht nur neue Tätigkeitsfelder für Betriebe der Forst- und Landwirtschaft eröffnet werden. Durch den Aufbau eines kommunalen Fernwärmenetzes in Güssing konnte darüber hinaus der Preis für die Kunden seit 1996 konstant gehalten werden, was mit Blick auf die Preissteigerung fossiler Brennstoffe faktisch eine Preishalbierung bedeutet. Indem die Gemeinde mit interessierten Unternehmen seither nicht nur die Kosten für Wasser und Abwasser, sondern auch die Preise für Wärme verhandelt, nutzt sie das Thema Erneuerbare Energien aus der Region offensiv für Unternehmensansiedlungen in Güssing. Die kostengünstige Versorgung über Erneuerbare Energien ist somit zum Wettbewerbs- und Standortvorteil geworden. Jüngste Ansiedlungen aus dem Bereich der Parkett- sowie Solarzellenproduktion untermauern das. Erreicht wurde all dies durch die strikt dezentrale, nachhaltige Nutzung Erneuerbarer Energien, deren Produktionsorte und Vertriebsnetz mehrheitlich in der Hand der Gemeinden liegt.

Einmal Güssing – hin und zurück (08./10. Oktober 2009)
Da die Busse nach Güssing nicht lediglich Transportmittel sein sollten, entschlossen sich die Veranstalter, durch ein interessantes Rahmenprogramm diese kurzerhand zum Seminarraum und Drehort umzufunktionieren. Auf der Hinfahrt sollten mit einem Vortrag von Rainer Land zu den Stärken und Schwächen des ländlichen Raumes und den Perspektiven neuer Stadt-Umland-Allianzen sowie den Filmen „Neuland“ und Al Gores „Eine unbequeme Wahrheit“ erste Zugänge zu den anstehenden Problemen eröffnet werden. Klimaschutz und eine nachhaltige Regionalentwicklung sind kein Widerspruch, sondern zwei Seiten derselben Medaille: der Nachhaltigkeit. Daneben wurden in verschiedenen Drehsequenzen viele der Teilnehmer befragt, was sie von der Exkursion nach Güssing erwarten und welche Modellprojekte Erneuerbarer Energien sich in ihrer Region finden lassen bzw. gerade entwickeln. Die kleinen Busbibliotheken der Akademie für Nachhaltige Entwicklung Mecklenburg-Vorpommern lieferten zudem die Möglichkeit, sich über einige interessante Publikationen zum Thema Klimawandel, Erneuerbare Energien und nachhaltige Regionalentwicklung selbst zu informieren.
Die Rückfahrt wurde dann durch die Vorstellung von einigen Projekten und Ergebnissen aus M-V bestimmt. Falk Roloff-Ahrend stellte die Bioenergie-Region Mecklenburgische Seenplatte vor, Robert Böttcher gab Einblicke in seine Forschungen zur effizienten Umwandlung von Biomasse in Biogas an der Fachhochschule Wismar, das Netzwerk Regionale Energien M-V umriss seinen Aufbau und seine Ambitionen und Hans Thie zeichnete einige Eckpunkte und Vorteile regionaler Energieautonomie nach. Daneben lieferten Dokumentarfilme zum „Bioenergiedorf Jühnde“, zum „Landwirt als Energiewirt“ sowie eine Reportage zur „Energiestadt Güssing“ einigen Gesprächsstoff und viel Material zum Nach- und Weiterdenken. Dass die gute Atmosphäre in den Bussen auch trotz mehr als 20 Stunden Fahrtzeit für einige Teilnehmer niemals in Unmut oder Desinteresse kippte, sondern vielmehr einen Raum für interessante, vielschichtige Diskussionen eröffnete, ist nicht zuletzt den Mitreisenden selbst zu verdanken.

Vor Ort in Güssing (09. Oktober 2009)
Eingeleitet durch die begrüßenden Worte des Güssinger Bürgermeisters Peter Vadasz führte der Bürgermeister der Gemeinde Strem Bernhard Deutsch die Teilnehmer der Exkursion in den zurückgelegten Weg, die Erfolge und Botschaften von Güssing ein. Nach lebhaften zweieinhalb Stunden stand am frühen Nachmittag die Besichtigung des Biomassekraftwerkes Güssing  (Wirbelschichtdampfvergasung) an. Hier wurden neben der grundlegenden Funktionsweise auch die geschichtliche Relevanz der Anlage auf dem Weg zum „Güssinger Modell“ nachgezeichnet. Im Anschluss standen für einen Part der Teilnehmer der Besuch der Fernwärme Urbersdorf sowie der Biogasanlage Strem an. Bei beiden Terminen wurde neben der Erklärung der Anlagen auch die Geschichte ihrer Errichtung sowie die unterschiedlichen Rahmen ihres Betriebes in den Vordergrund gerückt. Ein zweiter Part der Exkursionsteilnehmer traf im Europäischen Zentrum für Erneuerbare Energien auf Werner Rauscher (Internationale Solarteur-Zentrale, Güssing), einem Pionier in Sachen nachhaltiger Nutzung von Solarenergie. Neben Ausbildungsinhalten des von Werner Rauscher entwickelten Solateur-Programms drehten sich die Diskussionen um den bisweilen steinigen Weg der Etablierung Erneuerbarer Energien in Güssing, unterschiedliche Fördermöglichkeiten sowie Betreibermodelle der einzelnen Anlagen. Dass die ressourcenreichen, ländlichen Räume im postfossilen Zeitalter auch zu Energiequellen für die Städte und Metropolen werden, indem hier neue Zentren für nachhaltige Strom-, Wärme- und Treibstoffproduktion perspektivisch nicht für die Regionen, sondern auch für die heutigen Ballungsräume entstehen, beschloss als Vision die inspirierenden Gespräche.

Was könnte die Botschaft sein?
In einer Zeit eines aus heutiger Perspektive geringen Erdölpreises, trotz heftiger Gegenwehr des damaligen Strom- wie Gasmarktmonopols einiger, großer Anbieter und trotz politischer Vorbehalte auf Ebene der burgenländischen Landesregierung gegenüber der Stadt Güssing wurden hier bereits Anfang der 1990er Jahre die Grundlagen dafür gelegt, was heute als das „Modell Güssing“ bezeichnet wird und mittlerweile international Beachtung findet. Fast 98% des Wärmeenergiebedarfes sowie 150% des Strombedarfes produziert Güssing selbst (CO2-neutral). 1500 neue Arbeitsplätze wurden hier in den vergangenen 15 Jahren geschaffen. Neben den Bereichen „Entwicklung und Forschung“ und der „Weiterbildung“ ist nicht zuletzt durch die vielen unterschiedlichen Demonstrationsanlagen der nachhaltigen Nutzung Erneuerbarer Energien ein weiterer Standortfaktor hinzugekommen. Mit dem Erfolg stiegen nicht nur die Anzahl nationaler und europäischer Auszeichnungen, sondern auch die Besucherzahlen. Mittlerweile ist der Ökotourismus ein veritabler Zweig in Güssing und im gesamten Burgenland.
Im Zentrum des „Modells Güssing“ steht die dezentrale, nachhaltige Nutzung Erneuerbarer Energien der Region, wobei der mehrheitliche Anteil der Gemeinden bei der Produktion wie der Verteilung der Energie eine faire Preiskalkulation ermöglicht. Mit Hilfe der Energiefrage werden somit regionale Stroffkreisläufe und regionale Wertschöpfung gesteigert. Klimafreundliche, kostengünstige und versorgungssichere Energieproduktion liefert somit eine zentrale Voraussetzung für eine nachhaltige Regionalentwicklung – nicht nur in Güssing.

Wie geht es weiter?
Für das Frühjahr 2010 plant die Akademie für Nachhaltige Entwicklung Mecklenburg-Vorpommern zusammen mit den gemeinsamen Veranstaltern der Exkursion nach Güssing sowie dem Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IFaS) ein interessantes Symposium, in dem im Rahmen von Vorträgen und Workshops zentrale Grundlagen und neue Erkenntnisse der energetischen Nutzung von Biomasse sowie beim Aufbau von Bioenergiedörfern in Mecklenburg-Vorpommern vermittelt und diskutiert werden sollen.
Darüber hinaus begleitet die Akademie für Nachhaltige Entwicklung Mecklenburg-Vorpommern im Rahmen des „Coaching Bioenergiedörfer“ exemplarisch Gemeinden und Bürgermeister bei der Analyse der vorhandenen eigenen Ressourcen, berät über unterschiedliche Fördermöglichkeiten und stärkt die Vernetzung der einzelnen Akteure sowie Planungs-, Verwaltungs- und Handlungsebenen.

Materialien

Bilder - Exkursion nach Güssing (Österreich), 08.-10.Oktober 2009

             


Programm: Exkursion nach Güssing (Österreich), 08.-10. Oktober 2009 (  270 KB)


Vorträge (pdf)

Dr. Rainer Land (Thünen-Institut für Regionalentwicklung e.V.): Probleme, Stärken, Potenziale,
Stadt-Umland-Allianzen, Metropolen und Raum
(  315 KB)

Falk Roloff-Ahrend (ARGE Initiative Bioenergieregion Mecklenburgische Seenplatte GbR):
Bioenergie-Region Mecklenburgische Seenplatte
(  596 KB)

Robert Böttcher (FH Wismar): Effiziente Umwandlung von Biomasse in Biogas (  2358 KB)

Dr. Hans Thie: Regionale Energieautonomie. Zentrales Projekt für ländliche Räume (  796 KB)

Bernhard Deutsch: Das Modell Güssing.
Ein Beispiel für eine nachhaltige Energieversorgung
 ( 8747 KB)


Links

Dokumentationen
http://atv.at/contentset/17158/97047 (ATV – Die Reportage: Energiestadt Güssing)

Internetauftritte
http://www.eee-info.net/ (Homepage „Europäisches Zentrum für erneuerbare Energien“ Güssing)
http://www.solarteur.at/ (Homepage „Internationale Solarteur-Zentrale“ Güssing)
http://www.oekoenergieland.at/ (Homepage „Das ökoEnergieland“ Güssing)

 




Bioenergiedörfer in Mecklenburg-Vorpommern.
Chancen für den Ländlichen Raum durch Wertschöpfung und Teilhabe.
09. Mai 2009, 10.00-15.45 Uhr, Güstrow

Klimawandel, Weltwirtschaftskrise und demographische Entwicklung sind die Stichworte unserer Zeit!
Oftmals werden sie in der öffentlichen Diskussion als Bestandteil einer bedrohlichen Kulisse dargestellt und tatsächlich bergen sie auch nicht zu unterschätzende Gefahren.

Stehen wir nun ohnmächtig einem Prozess gegenüber, der auch in Zukunft von Zwängen der Globalisierung bestimmt wird? Oder können wir mit einer Nachhaltigkeitsstrategie, die verstärkt auf unsere regionalen Potenziale baut, die die Menschen in den Dörfern und kleinen Städten unseres Landes teilhaben lässt, und auffordert, mitzugestalten, diese Ohnmacht ein Stück weit überwinden? Sicherlich ein gesamtgesellschaftliches Problem mit vielen Baustellen, könnte man meinen.

Am 09. Mai 2009 lud deshalb die Akademie für Nachhaltige Entwicklung gemeinsam mit der Landesregierung MV, dem Städte- und Gemeindetag MV und dem Netzwerk Erneuerbare Energie MV zur einer Auftaktveranstaltung nach Güstrow ein, um die Chancen der Bioenergiedörfer für den Ländlichen Raum in Mecklenburg-Vorpommern mit Experten und Interessierten zu diskutieren.

Alle Vorträge sind als Videomitschnitte auf dem YouTube-Kanal der Akademie für Nachhaltige Entwicklung Mecklenburg-Vorpommern (http://www.youtube.com/ANEMV2001) abrufbar.


Programm der Veranstaltung ( 163KB)

Ausgewählte Vorträge (pdf) 

Bernhard Deutsch: Das Modell Güssing.
Ein Beispiel für eine nachhaltige Energieversorgung
 ( 8747 KB)

Prof. Dr. Peter Heck: Stoffstrommanagement und regionale Wertschöpfung ( 7510 KB)

Dr. Olaf Schätzchen: Bioenergie-Region Mecklenburgische Seenplatte.
Initiative für kommunale und regionale Wertschöpfung
 ( 1169 KB)

Uwe Ambrosat: „Rügen voller Energie“- Ziele der Bioenergieregion Rügen ( 887 KB)