Die Medienberichte zu Lebensmitteln können auf den ersten Blick sehr entmutigen.
Nehmen wir zum Beispiel das Thema „Fisch und Fischerei“.

Die Überfischung der Weltmeere scheint unaufhaltsam voranzuschreiten. Die Auswirkungen der industriellen Fangflotten bedrohen vielerorts nicht nur die Fischbestände und maritimen Ökosysteme, sondern nehmen oft auch den Küstenbewohnern ein wichtiges Grundnahrungsmittel.

Seelachs auf Weltreise
Das beliebte Seelachsfilet hat schon mehr von der Welt gesehen als viele von uns, wenn es auf unseren Tisch kommt: In Norwegen oder Alaska gefangen wird der Seelachs im Fernen Osten filetiert und anschließend in Westeuropa und Nordamerika via Großhandel über den Kontinent verteilt, bevor der Kunde es schließlich aus der Tiefkühltheke im Supermarkt „angelt“. Diese kleine Weltreise sieht man dem Filet genauso wenig an wie seine ursprüngliche Schönheit als ganzer Fisch. Das Wissen um seine Herkunft, um die vielfältigen Möglichkeiten, den ganzen Fisch zuzubereiten, oder auch um heimische Fischarten, die ebenso gut schmecken, wird irrelevant. Nicht umsonst glauben viele Kinder und Jugendliche, dass Fischstäbchen im Meer schwimmen. Einigen Erwachsenen dürfte es da nicht anders gehen.

Globalisierung durch billige Energie
Wer die Ursachen dieser Entwicklung genauer betrachtet, erkennt aber auch Chancen für einen Wandel. Und sogar eine Renaissance der regionalen Küsten-  wie der Binnenfischerei rückt in den Bereich des Möglichen. Hierbei hilft zunächst ein Blick auf den Megatrend der letzten Dekade. Geringe Energiekosten machten die globale Arbeitsteilung und den globalen Transport wenig veredelter Lebensmittel in großem Ausmaß erst möglich. Der billige Treibstoff reduzierte die Frachtkosten dermaßen, dass Faktoren wie Lohnkosten und fiskalische Vorteile den Ausschlag gaben für die Wahl des Produktionsstandorts. Egal an welchem Ort der Erde die Ware später verbraucht wurde. Und nicht zuletzt sind es auch die modernen Kühlmethoden, die Lebensmittel über weite Strecken transportierbar machen und sie noch während des Transportes gezielt reifen lassen.

Garten der Metropolen
Ein steigender Ölpreis wird somit weitreichende Folgen haben auf das, was wir morgen auf unseren Tellern vorfinden. Große Räume zu überwinden und Waren über lange Zeit zu kühlen, wird teuer werden. Vieles spricht dafür, dass in Zukunft Lebensmittel, die auch aus der Region bezogen werden können, nicht mehr um den halben Erdball verschifft werden. Auch, weil es absurd ist, einen Apfel aus Neuseeland zu essen, der auch im Alten Land oder gar im eigenen Garten wächst. Aber vor allem, weil es niemand bezahlen möchte. Die Endlichkeit fossiler Energieträger kann somit für zahlreiche Lebensmittel eine Renaissance regionalen Anbaus und saisonalen Verzehrs bewirken. Der vermeintlich strukturschwache, ländliche Raum könnte zentrale Funktionen übernehmen bzw. zurückgewinnen. Als „Garten der Metropolen“ wird er zum Garant für saubere Energie und verantwortlich erzeugte, regionale Lebensmittel. Natürliche Erholungsräume für Mensch und Natur bietet er heute schon. Nachhaltige Entwicklung wird dann keine leere Worthülse mehr sein, sondern gelebte Praxis.

Vorbild für Nachhaltigkeit
Das führt uns zurück zu Fisch und Fischerei, die Vorbilder für natürliche Kreisläufe und nachhaltige Entwicklung sein können. Von Fischern, die in der Früh hinausfuhren und im Kampf mit den Naturelementen dem Meer den Fisch abrangen, ging immer schon eine besondere Faszination aus. Hinter den sonnengegerbten Gesichtern blitzen oft wache Augen und ein kluger Geist, die mit dem Blick für natürliche Kreisläufe auf und unter See auch darüber hinaus jede Menge Lebensweisheiten mitzuteilen hatten. Dass nicht jeden Tag gleich viele Fische ins Netz gehen können, dass diese ihre Schonzeiten brauchen und man heute schon den Fang von morgen und übermorgen im Blick haben muss – diese Prinzipien schonenden und vorausschauenden Umgangs mit der Natur und ihren Lebewesen sind zentrale Leitgedanken für nachhaltiges Handeln und bestimmen unser gesellschaftliches Nachdenken über eine zukunftsfähige Welt.

Den Fischer weiterempfehlen
Leckeren Fisch aus der Region zu essen, gibt somit auch Gelegenheit, sich noch mehr mit der Herkunft unserer Lebensmittel und den Bedingungen ihrer Entstehung zu beschäftigen. Manchmal wird dann aus dem Fischeinkauf eine kleine, informelle Bildungsreise. Jedenfalls wenn man dafür offen ist. Und auch der einfache „Schnack“ zwischen Fischer und Fischliebhaber liefert neben jeder Menge guter Laune auch einen Blick auf die Menschen und deren Geschichten, die den Fischereisektor (noch) immer maßgeblich bewegen: 80 Prozent der Fangschiffe in Europa gehören handwerklich arbeitenden Kleinfischern. Sie stellen 65 Prozent der Arbeitsplätze im Fischereisektor. Dass ihnen auch in Zukunft ausreichend Fische ins Netz gehen, um davon angemessen und zufrieden leben zu können – hierfür kann jeder etwas tun: regionalen Fisch saisonal und zu einem fairen Preis kaufen. Neue Rezepte ausprobieren und schließlich: Gute Fischer und Fischverkäufer weiterempfehlen.

Zurück zu Lebensmitteln allgemein: verantwortlich erzeugt, saisonal, regional  – so interessieren sie uns in unseren Projekten und so fördern wir sie in ausgewählten Vorhaben. So hat die Akademie 2014 den "FischEinkaufsführer für den Norden" (www.fischeinkaufsfuehrer.de) unterstützt, der oben aufgeführte Text bildet das Vorwort in der gleichnamigen Printausgabe. Im Jahr 2012 haben wir unseren Zukunftspreis dem Thema verantwortlich erzeugte regionale Lebensmittel gewidmet.  

Termine

Streuobstgenusschein auf der Grünen Woche 2017.

20.-29.01.2017, Messe Berlin.

Der Streuobstgenussschein (SOS) war in diesem Jahr bei dem Mitmach-Highlight der Internationalen Grünen Woche in Berlin mit von der Partie...

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Regionale Lebensmittel

Blühende Aussichten für alte und neue Streuobstwiesen im Land.

04.03.2016 | 15-17 Uhr | Mosterei Kneese, Biosphärenreservat Schaalsee

Umwelt-Minister Dr. Till Backhaus informiert zum Streuobstgenussschein und legt selbst Hand an.

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Regionale Lebensmittel

Ansprechpartner

Stiftung Akademie für Nachhaltige Entwicklung, Garten der Metropolen, 
Bioenergiedörfer Mecklenburg-Vorpommern, Chancen für den ländlichen Raum durch Wertschöpfung und Teilhabe
Foto: ANE MV

Henrik Manthey

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